Biografie
Gökhans Story
Profi-Bilanz 14-7-1

Zwischen zwei Welten
Kufstein, Tirol. Hier wird Gökhan Aksu als Sohn türkischer Einwanderer geboren - doch seine Geschichte beginnt 2.500 Kilometer entfernt. Weil die Arbeit der Eltern keine andere Wahl lässt, schicken sie ihren Sohn im Alter von nur fünf Monaten in die Türkei. Bei seinen Großeltern in Aybastı, einer kleinen Stadt in der Region Ordu an der türkischen Schwarzmeerküste, verbringt Gökhan seine ersten Lebensjahre.
Mit fünf Jahren kehrt er zurück nach Kufstein - in eine Heimat, die er erst kennenlernen muss. Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Welten, findet er früh den Ort, an dem all das keine Rolle spielt: die Trainingsmatte. Im Muay Thai entdeckt er seine Leidenschaft - und eine Sprache, die überall verstanden wird.
Wenn Gökhan heute nach seinen Siegen die türkische Flagge trägt, ist das kein Show-Element. Es ist die Geschichte eines Kindes vom Schwarzen Meer, das in Tirol seinen Weg gefunden hat.
Der harte Weg
Mit 18 Jahren beginnt Gökhan seine MMA-Karriere - ohne Förderung, ohne Sponsoren, ohne Abkürzungen. Um Training, Trainingscamps und seine Familie zu finanzieren, arbeitet er in der österreichischen Gastronomie. 2013 steigt er bei Aggrelin zum ersten Mal in den Käfig - und verliert.
Für viele wäre das das Ende gewesen. Für Gökhan ist es der Anfang. Die Niederlage wird zum Antrieb: Er beginnt, sich mit voller Konsequenz dem MMA zu widmen - mit einem klaren Ziel vor Augen: Profi werden.
Doch der Weg dorthin ist in Tirol steinig. MMA ist in Österreich noch ein Nischensport, und im Kaiser Gym Kufstein fehlen erfahrene Trainingspartner auf seinem Niveau. Also nimmt Gökhan auf sich, was kaum jemand auf sich nehmen würde: Freitags arbeitet er bis Mittag - dann setzt er sich ins Auto und fährt nach Innsbruck oder Wien, um dort das ganze Wochenende zu trainieren. Woche für Woche. Jahr für Jahr.
Später wechselt er den Beruf und wird LKW-Fahrer - nicht, weil es der bequemere Job ist, sondern weil er sich besser mit zwei Trainingseinheiten pro Tag vereinbaren lässt. Morgens der LKW, dazwischen und danach das Gym. Kein Plan B. Keine Ausreden.
Die Titel
Die Arbeit zahlt sich aus. 2018 krönt sich Gökhan mit einem Sieg in der zweiten Runde gegen Ahmedin Fajić zum Lightweight-Champion der Austrian Fighting Championship. Nur ein Jahr später, im Dezember 2019, legt er nach - und holt sich mit einem Sieg gegen Michael Rirsch auch den Welterweight-Titel der Organisation. Zwei Gewichtsklassen, zwei Gürtel.
2023 folgt der dritte Titel: Bei Innferno besiegt Gökhan Ahmad Halimson - der heute ebenfalls bei OKTAGON kämpft - in der ersten Runde und wird Innferno Lightweight-Champion.
Drei Titel, ein Muster: Wenn Gökhan gewinnt, dann vorzeitig. Seine Profi-MMA-Bilanz steht bei 14-7-1. Bis heute hat er jeden einzelnen seiner Siege vor dem Schlussgong beendet - durch K.O. oder Submission. Eine 100-Prozent-Finish-Quote, die im MMA eine Seltenheit ist.
Rosenheim: Der Wendepunkt
2020 trifft Gökhan die Entscheidung, die seine Karriere verändert: Er schließt sich dem MAA Rosenheim unter Trainer Refik Salih an. Zum ersten Mal trainiert er dauerhaft in einem Umfeld mit Partnern auf höchstem Niveau - und der Sprung ist sofort spürbar.
An seiner Seite: Endrit Brajshori - Trainingspartner, Weggefährte und für Gökhan wie ein Bruder. Seit Jahren gehen die beiden jeden Schritt gemeinsam, pushen sich durch jedes Camp, jede Vorbereitung, jeden Rückschlag. Wer Gökhans Erfolg verstehen will, muss dieses Team verstehen.
OKTAGON: Die große Bühne
2024 gelingt der Sprung, auf den Gökhan über ein Jahrzehnt hingearbeitet hat: OKTAGON MMA - die größte MMA-Organisation Europas, mit ausverkauften Arenen, Millionenpublikum via RTL+ und OKTAGON.TV und Übertragungen bis in die Türkei über S Sport Plus.
Sein Debüt? Typisch Abinator: ein Sieg gegen den erfahrenen Jan Malach.
Und hinter ihm steht eine Bewegung: Team Abinator - rund 500 Fans, die in Bussen zu seinen Kämpfen reisen und jede Arena in eine Heimspielstätte verwandeln.
2026: Alles auf eine Karte
Anfang 2026 trifft Gökhan die mutigste Entscheidung seines Lebens: Er kündigt seinen Job als LKW-Fahrer. Nach über einem Jahrzehnt, in dem er Vollzeitarbeit und Profisport parallel gestemmt hat, setzt er alles auf eine Karte - für das eine Ziel, das noch fehlt:
Der OKTAGON-Titel.
Kein festes Einkommen mehr. Kein Sicherheitsnetz. Nur zwei Trainingseinheiten am Tag, ein Team, das an ihn glaubt - und ein Traum, für den er sein ganzes Leben gearbeitet hat.
Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Sie beginnt gerade erst.
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